Achtsames Aufsteigen

bibi · Februar 8, 2021

Das war eigentlich nie ein Thema für dich – aufsteigen – pffff! Das hat man schon so oft gemacht. Aber plötzlich denkst du doch drüber nach. Weil es nicht mehr so gut geht wie früher. Weil jemand gesagt hat, dass du es anders machen sollst. Weil deine Mit-Reiterin immer nach einem umgefallenen Baum sucht, um von einer Erhöhung aufzusteigen. Weil das Pferd wegläuft, wenn du den Fuß in den Steigbügel setzt. Dein Pferd läuft aber mit Sicherheit NICHT weg, weil es dich ärgern will, doof ist, oder gar dich nicht mag. Sondern es läuft weg, damit du diesen Mini-Kurs anschaust 🙂

Foto: Wendy Corniquet

Das Wichtigste am Aufsteigen ist, es so zu machen, dass es deinem Pferd angenehm ist,

dass du Rückenschmerzen und einen nicht passenden Sattel ausgeschlossen hast,

du ihm NICHT mit der Fußspitze in den Bauch kickst,

du so aufsteigst, dass dein Pferd sein Gleichgewicht leicht halten kann,

und du dich achtsam in den Sattel gleiten lässt.

Dein Pferd bleibt brav stehen, wenn es sich drauf verlassen kann, dass ihm das Aufsteigen nicht unangenehm sein wird.


Ich gehe davon aus, dass du von links aufsteigst, was eigentlich nur eine Konvention ist. Du kannst ebenso von rechts aufsteigen, wie Valerie das auf dem Bild unten zeigt. Dann musst du eben mit dem rechten Fuß beginnen.

Dieses und die folgenden Bilder hat Valerie von Rohden zur Verfügung gestellt.
Valerie hat die Serie für die Angie-Kurse für Kinder/Jugendliche erstellt, in denen die Jugend schon lernt, achtsam mit Pferden zu sein. Ab dem 15.3. kannst du auf der online.tiereakademie.de auch etwas über Angie-Kurse sehen/lesen/lernen.

Also, wie geht es?

  1. Du steckst dir ein Leckerchen ein und suchst dir eine erhöhte Stelle
    oder bereitest eine solche an dem Ort vor, an dem du normalerweise aufsteigst
    oder holst dir eine Aufsteighilfe, die es auch schon zu einem kleinen Preis im Fachhandel gibt.
  2. Du stehst neben dem Sattel, Blick nach vorne, und schiebst die linke Fußspitze in den Steigbügel. Dabei achtest du darauf, dass du dein Pferd nicht in den Bauch kickst, was je nach Größenverhältnissen passieren kann.


3. Du legst dein Knie am Sattel an, wie Valerie es macht.

4. Du stößt dich vom Hocker ab – und gehst direkt in den Stütz über der Mitte des Sattels bzw. dem Widerrist deines Pferdes.
Es passiert leicht, dass wir diesen Schritt übergehen: die Reiter*innen hieven sich im Steigbügel hoch, die Hüfte bleibt dabei eine Spanne vom Sattel weg, und im gleichen Zug ist das rechte Bein schon drübergeschwungen – weil es uns so leichter fällt, das Bein über die Kruppe zu schwingen. Das Pferd allerdings bringen wir so aus dem Gleichgewicht.

5. Im Stütz bist du bereits einigermaßen mittig über dem Pferd, musst nur noch dein rechtes Bein hinten (hoch genug) über die Kruppe schwingen und dich sachte in den Sattel gleiten lassen.

6. Begrüße dein Pferd von oben, setze deinen zweiten Fuß in den Steigbügel und schenke deinem Pferd das mitgebrachte Leckerchen.

7. Bitte dein Pferd zu warten, bis du ihm ein eindeutiges Zeichen zum Antreten gegeben hast.
Manchmal kannst du bewusst noch einen Moment stehen bleiben, drei tiefe Atemzüge nehmen, den Moment genießen, das Pferd für seine Geduld loben und erst dann das Zeichen zum Antreten geben.

Danke Valerie für die schöne Bilderserie!

Und jetzt das Ganze in Bewegung!

Für die nachfolgenden Aufnahmen danke ich Ravello, der so geduldig war, Relana Beck , die mit Anja Görtzen (am Ravello-Kopf) geduldig auf- und abgestiegen ist, sowie Luna van Well an der Kamera.

So, und nun bist du dran. Achte auf den Moment, in dem du dich vom Boden abstößt, dein Knie ist dran, und du gehst in den Stütz über dem Widerrist. Hier kannst du einen Moment innehalten, bevor du das andere Bein über die Kruppe schwingst!

Ist so einfach – und doch macht ein bisschen Technik für dein Pferd einen Unterschied.

Übrigens….

Das hier ist ein Wirbelkörper mit Dornfortsatz, aus dem Widerrist eines Araber-Pferdes. Wenn du das siehst – verstehst du dann, warum das unachtsame Aufsteigen bewirkt, dass bei den meisten Reitpferden die Wirbelkörper des Widerrists nach links rotiert sind? Man weiß das von Schlachtpferden.
Es ist ein gewaltiger Hebel, an dem der Sattel den Wirbelkörper rotiert, wenn wir uns mit unserem ganzen Gewicht in einen Steigbügel stellen.

Und nun noch ein kleiner Ausblick!

Es ist eine recht stattliche Zahl an Online-Kursen für diese Plattform in Arbeit, sowohl für dein Pferd, dein Reiten, als auch für deinen Hund. Es wird oft neue kostenlose Minikurse geben, sowie größere Kurse mit mehr Content, an denen du lernen kannst, für dein Pferd/deinen Hund eine bessere Begleiterin oder ein besserer Begleiter zu sein. Auf der onlinekurs.tiereakademie.de begegnen dir die innovativen und tier-freundlichen Zugänge, etwa zu folgenden Themen:

  • Der große -interaktive- Jungpferde-Online-Kurs – ab dem 30.4. und ist bereits buchbar!
  • Der Grundkurs des Tellington TTouch Für Hunde – verfügbar
  • Der Diaglog des Reiten – Sitz und Einwirkung – ein großer interaktiver Online-Kurs ab September
  • (Pferde-)Füße geben – ohne Stress – Minikurs demnächst
  • Mein Pferd ist nicht anbindesicher – ein Minikurs in Planung
  • Mein Hund zieht an der Leine – ein Minikurs in Planung
  • Schulterfreiheit für mein Pferd – ein Minikurs in Vorbereitung
  • Maulkorb-Training – demnächst – Minikurs für Alle, die mit dem Hund in Öffis fahren oder den Hund “sichern” wollen.

und viele mehr. Also schau einfach manchmal rein bei uns!
Aber jetzt danke für deinen Besuch.
Und raus mit dir zum Pferd – du musst üben!

Über den Dozenten / die Dozentin

bibi

Ich, Bibi Degn, bin Ausbilderin und die Ausbildungsleitung der Tellington TTouch Methode in Deutschland. Die Plattform Onlinekurse.tiereakademie.de ist eine meiner Bemühungen, Information über achtsame Methoden des Umgangs mit Tieren zu verbreiten. Wenn du mehr über mich wissen willst, schau auf meiner Webseite unter www.tiereakademie.de/ueber

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